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2Wai: Mit drei Minuten Video mit Verstorbenen sprechen

Die App 2Wai erstellt aus drei Minuten Video einen sprechenden Avatar in über 40 Sprachen – kostenlos. Das Internet ist gespalten zwischen Faszination und Entsetzen. Wo liegt die Grenze?

Eine App, drei Minuten Video, und du kannst mit Verstorbenen sprechen. 2Wai macht das möglich – kostenlos, in über 40 Sprachen. Das Internet ist gespalten: Manche feiern es als Trost-Tool, andere sehen Black Mirror in Reinform.

Im Video zeige ich, wie die App in der Praxis funktioniert. Hier im Artikel diskutiere ich die ethischen Fragen, die jetzt geklärt werden müssen – und wie Unternehmen, die ähnliche Technologie einsetzen, verantwortungsvoll handeln können.

Wie 2Wai aus drei Minuten Video einen Avatar baut

Drei Minuten Video reichen, um Stimme, Mimik und Sprachmuster eines Menschen zu modellieren. Die App nutzt eine Kombination aus Stimmklon-Modellen und Lip-Sync-Generation. Was dabei entsteht, ist kein echtes Bewusstsein – sondern ein statistisches Modell, das so klingt und aussieht wie die Person.

Über 40 Sprachen sind möglich, weil die Stimme zuerst in Sprache neutralisiert und dann in jeder Zielsprache neu synthetisiert wird. Das ist dieselbe Technik, die HeyGen, ElevenLabs und Tavus für Marketing-Avatare nutzen – nur auf einen anderen Use Case angewendet.

Die ethische Frage: Trost oder Wahnsinn?

Psychologen sind gespalten. Einerseits kann ein Avatar in der akuten Trauerphase Halt geben – ähnlich wie ein letzter Brief, der immer wieder gelesen wird. Andererseits besteht das Risiko, in einer Beziehung zu einer Simulation zu verharren statt loszulassen.

Die juristische Lage ist unklar. Wer hat das Recht, einen Avatar des Verstorbenen zu erstellen? Die Hinterbliebenen? Die Person selbst per Testament? Und was passiert mit den Daten, wenn 2Wai übernommen oder geschlossen wird? Diese Fragen sind ungelöst.

Was Unternehmen daraus lernen können

Avatar-Technologie wird im B2B-Bereich für Schulungen, Onboarding und Kundenservice produktiv. Wer hier Avatare einsetzt, sollte vorab klären: Einwilligung der abgebildeten Person, Datenschutz, Kennzeichnungspflicht. Genau die Fragen, die 2Wai in den Vordergrund spielt.

Mein Tipp: Wer KI-Avatare im Marketing einsetzt – egal ob für Schulungen, Werbung oder Kommunikation – sollte einen klaren Ethik-Code aufschreiben, bevor das erste Video produziert wird. Sonst kommen die Fragen in der Krise, nicht in der Planung.

Häufige Fragen

Ist 2Wai legal in Deutschland?

Aktuell bewegt sich die App im Graubereich. Das Recht am eigenen Bild gilt auch nach dem Tod (postmortales Persönlichkeitsrecht). Wer einen Avatar ohne Einwilligung erstellt, riskiert Klagen der Erben. Sicher ist nur, was vorab schriftlich autorisiert wurde.

Kann ich die Technologie verantwortlich einsetzen?

Ja, wenn drei Bedingungen erfüllt sind: dokumentierte Einwilligung, klare Kennzeichnung als KI-Avatar, und eine Datenrichtlinie, was nach Vertragsende mit dem Modell passiert. Diese drei Punkte sind heute schon Stand der Technik in B2B-Anwendungen.

Welche Alternativen gibt es für kommerzielle Avatare?

HeyGen, Synthesia, Tavus und Hour One sind die etablierten Anbieter mit klaren AGB. Für deutsche Unternehmen empfehlen sich Anbieter mit EU-Hosting und nachweislichem AVV-Vertrag (Auftragsverarbeitung).

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